1. Schulerhalter:
Schulerhalter ist die Republik Österreich

2. Ziel des Schulversuchs:
Das ORG für Leistungssportler soll sportlich überdurchschnittlich begabten jungen Menschen, die sich bereits auf eine Wettkampfsportart spezialisiert haben, die Möglichkeit bieten, Schule und Training optimal zu verbinden. Grundsätzlich ist die Schulform für alle von der Bundessportorganisation anerkannten Fachverbände offen, wenn die entsprechenden sportlichen Ausbildungsstrukturen zugesichert werden können.
Die Schülerinnen und Schüler, die Angehörige eines Fachverbandes bzw. Leistungszentrums sind, sollen unter Berücksichtigung der psychischen und physischen Erfordernisse der sportlichen Ausbildung und der Teilnahme an Wettkämpfen zu einer höheren Bildung (Reifeprüfung) herangeführt werden.

3. Gründe für die Führung des Schulversuches:
Da im derzeitigen Regelschulsystem keine passende Schulform existiert, die sportlich überdurchschnittlich begabten jungen Menschen, die sich bereits auf eine Wettkampfsportart spezialisiert haben, die Möglichkeit bietet, Schule und Training optimal zu verbinden, ist die Führung eines BORG für Leistungssportler/innen (Genehmigung des BORG für Leistungssportler/innen Oberschützen seitens des BMUKK im Schuljahr 1998/99) sinnvoll.

4.Umfang der Oberstufe:
Auf Grund der Erfahrungen, die mit ähnlich angelegten Schulmodellen, in denen neben der Allgemeinbildung auch eine Fachausbildung geboten wird, gemacht wurden, ist es angebracht, die Oberstufe auf fünf Jahre auszulegen (siehe Oberstufenrealgymnasium für Studierende der Musik). Dadurch können die Lehrinhalte aufgelockert, besser verteilt und durch ein erhöhtes Übungsangebot in den Unterrichtsstunden einprägsamer vermittelt werden.

5.Verhältnis zwischen Unterrichtszeit und Trainingszeit:
Schule und sportliche Ausbildung sollen im Stundenablauf der Schüler dieses Modells ungefähr den gleichen Stellenwert haben.
Dabei ist, bei 23 - 27 Wochenstunden Schule, das Höchstmaß der Gesamtbelastung von Jugendlichen im Auge zu behalten.

6. Kriterien für die Festlegung der Unterrichtsfächer:
In allen Oberstufenformen der allgemeinbildenden höheren Schulen ist die Führung zweier Fremdsprachen vorgesehen. Gerade in einem Zweig, in dem die Schüler auf Grund ihrer Sportkarrieren an internationalen Wettkämpfen teilnehmen und Berufsaussichten im Ausland nicht ausgeschlossen sind, soll der Sprachausbildung ein erhöhter Stellenwert zugesprochen werden. Die Führung zweier lebender Fremdsprachen (Englisch/Französisch) ist obligatorisch vorgesehen. Der hohe wöchentliche Stundenanteil der Sprachen an der Gesamtstundenanzahl bedingt, dass diese drei Fächer als Teilprüfungsgebiete für die schriftlichen Klausurarbeiten vorzusehen sind. Die naturwissenschaftlichen Fächer können nur im Mindestmaß angeboten werden. Ein entsprechendes Angebot an musisch-kreativen Fächern ist vorgesehen. Auf die Führung des Gegenstandes "Darstellende Geometrie" muss verzichtet werden.
Da einer der Ausbildungsschwerpunkte auf dem sportlichen Sektor liegt, wird das Unterrichtsfach "Sportkunde" geführt, um den Schülern auch theoretisch die Möglichkeit zu bieten, sich mit dem Phänomen Sport auseinanderzusetzen (Teilprüfungsgebiet bei der Reifeprüfung).
Wahlpflichtgegenstände sind derzeit nicht vorgesehen.

7. Schulformbezeichnung:
Das Schulmodell soll die Bezeichnung "Bundesoberstufenrealgymnasium für Leistungssportler und Leistungssportlerinnen " führen.

8. Lehrpläne:
Die Lehrpläne für die Pflichtgegenstände Religion, Deutsch, Englisch, Französisch, Mathe­matik, Geschichte und Sozialkunde, Geographie und Wirtschaftskunde, Chemie, Physik, Psychologie und Philosophie, Informatik entsprechen den Lehrplänen des Realgymnasiums für Studierende der Musik, diejenigen für Bildnerische Erziehung und Musikerziehung dem Oberstufenrealgymnasium.
Bemerkung: Bei Hinweisen in den Lehrplänen, dass in den verschiedensten Gegenständen speziell auf den Bereich Musik eingegangen werden soll, muss das Wort „Musik“ durch „Sport“ ersetzt werden. Spezielle Lehrinhalte wurden für den Pflichtgegenstand Biologie und Umweltkunde erstellt.
Für den Pflichtgegenstand Sportkunde gilt der Lehrplan des ORG unter besonderer Berücksichtigung der sportlichen Ausbildung.
Besonders zu berücksichtigen ist die zusätzliche 9. Klasse. Bei Gegenständen, deren Stundensumme in der Oberstufe höher oder niedriger als in der Regelschule ist, sind die Lehrstoffe sinngemäß zu verteilen, unter Berücksichtigung der allgemeinen Zielstellungen des Gegenstandes in der jeweiligen Bildungs- und Lehraufgabe sowie unter Bedachtnahme auf die didaktischen Grundsätze.

9. Schulorganisation:

9.1 Aufnahme:
Für die Aufnahme in das Schulmodell gelten die in SchUG § 28 Abs.3 festgelegten Bedingungen. Besonders ist zu hinterfragen, ob eine ausreichende schulische Leistungsreserve vorhanden ist, um die Doppelbelastung Schule - Leistungstraining zu bewältigen. Die sportmotorische und psychische Eignung für den Besuch dieses Schulversuches wird durch ein sportmotorisches und sportpsychologisches Testverfahren durch den Verein „Burgenländisches Schule & Sport Modell“ (bssm) festgestellt und ausgewertet. Zusätzlich sind für die Aufnahme die Zustimmung bzw. Empfehlung des jeweiligen Fachverbandes und ein ärztliches Attest Voraussetzung. Über die endgültige Aufnahme in das BORG für Leistungssportler und Leistungssportlerinnen entscheidet der Direktor.

9.2 Übertritt in eine andere Schulform:
Der Übertritt in eine andere Oberstufenform ist nach Ablegung von Aufnahms-prüfungen gemäß SchUG § 29, § 30a möglich.

9.3 Klassenbildung/Klassenführung/Eröffnungszahl:
In den einzelnen Klassen werden die Schüler der verschiedenen Sportrichtungen gemeinsam unterrichtet. Es herrscht das Prinzip der Koedukation. Die Eröffnungszahl für eine Klasse wurde mit 15-18 Schülern festgelegt. Lehrer, die in dieser Schulform unterrichten, zeigen ein hohes Verständnis für die Trainings- und Wettkampfbelastungen ihrer Schüler, ohne die schulischen Zielsetzungen aus den Augen zu verlieren.

9.4 Stundentafel:

Pflichtgegenstände
5. Klasse
6. Klasse
7. Klasse
8. Klasse
9. Klasse
Summe
   
 
 
 
 
 
   
 
 
 
 
 
Religion
2
2
2
2
2
10
Deutsch
3
3
3
3
3
15
1. Leb. Fremdspr. (Engl.)
3
3
3
3
3
15
Latein
--
--
--
--
--
0
2. Leb. Fremdspr. (Franz.)
3
3
3
3
3
15
Geschichte/Sozialkunde
2
2
2
1
--
7
Geographie/Wirtschaftsk.
1
2
2
2
--
7
Mathematik
3
3
3
3
3
15
Darstellende Geometrie
--
--
--
--
--
0
Biologie/Umweltkunde
2
2
2
1
--
7
Chemie
--
--
--
2
2
4
Physik
--
1
2
2
2
7
Psychologie/Philosophie
--
--
--
2
2
4
Musikerziehung
1
2 *
2 *
--
--
1+4 *
Bildnerische Erziehung
1
2 *
2 *
--
--
1+4 *
Leibesübungen
2
2
1
1
1
7
Sportkunde
1
1
2
2
2
8
Informatik
2
--
--
--
--
2
   
 
 
 
 
 
   
 
 
 
 
 
Gesamt
26
26
27
27
23
129

*: Musikerziehung oder Bildnerische Erziehungalternativ vorgesehen.
Wahlpflichtgegenstände sind nicht vorgesehen.

9.5 Stundenplan:
Der Stundenplan wird in Absprache mit dem Verein „Burgenländisches Schule & Sport Modell“ erstellt und nimmt Rücksicht auf die Trainingsgestaltung in den einzelnen Sportarten. Durch einen späteren Unterrichtsbeginn werden erforderliche Trainingszeiten in der Früh ermöglicht.

9.6 Schulveranstaltungen:
Im Schulversuch können alle Schulveranstaltungen durchgeführt werden, eine Verpflichtung dazu besteht aber nicht.

9.7 Konferenzen:
Der Schulversuch baut auf einer regelmäßigen Kommunikationsschiene zwischen den am Modell unterrichtenden Lehrern, der Direktion und den Verantwortlichen für die sportliche Ausbildung auf. So sollen Konferenzen - je nach Bedarf - pädagogische Belange (wie z.B. Festlegung von abweichenden Unterrichtszeiten, Fragen der Unterrichtsgestaltung, der individuellen Förderung, der Leistungsbeurteilung) und sportliche Belange (wie z.B. Trainingsanforderungen, Wettkampfvorbereitung) koordinieren.

9.8 Förderunterricht:
Förderunterricht kann in allen Pflichtgegenständen angeboten werden.
Neben den in den allgemeinen didaktischen Grundsätzen angeführten Richtlinien für den Förderunterricht sind v.a. auch die sportliche Belastung und die Absenzen aus sportlichen Gründen für ein Angebot von Förderunterricht entscheidend. Eine Mindesteilnehmerzahl von Schüler/innen sowie eine Mindeststundenanzahl sind dabei nicht vorgesehen.

10. Reifeprüfung
Änderungen zur Reifeprüfungsverordnung (BGBl. 432/1990) für die Reifeprüfung am BORG für Leistungssportler und Leistungssportlerinnen Oberschützen:
Klausuren sind verpflichtend in Deutsch, Mathematik und einer lebenden Fremdsprache.
Sportkunde fällt in die Gegenstandsgruppe C, ist maturapflichtig und kann wahlweise als Klausur und/oder mündlich gewählt werden.

11. Zusammenarbeit Schule - sportliche Ausbildung:
Mit der Gründung des Vereines „Burgenländisches Schule & Sport Modell“ (bssm) wurde die Voraussetzung für eine optimale Betreuung und Unterstützung der Jugendlichen, die Leistungs- bzw. Spitzensport am ORG betreiben, geschaffen. Dieser Verein soll gewährleisten, dass die Koordination in schulischen, sportlichen und organisatorischen Belangen gegeben ist. Die Aufgaben erstrecken sich von der Koordination der spartenspezifisch differenziert angebotenen Spezialausbildung, die in den Händen von qualifizierten, vom jeweiligen Fachverband eingesetzten Trainern liegt, über die optimale trainingswissenschaftliche und sportmedizinische Betreuung bis hin zur Finanzierung zusätzlicher trainingsbegleitender Maßnahmen.

Die Koordination der schulischen Belange nimmt am BORG für Leistungs-sportler/innen ein Lehrer (Ausbildungskoordinator) wahr, der die speziellen Anforderungen der leistungssportlichen Ausbildung mit den schulisch-pädagogischen Belangen (Schuljahresplanung, Förderunterricht, Lernpakete, Freistellungen, Konferenzen u.a.) vereinbaren soll sowie den Kontakt zum Verein „Burgenländisches Schul & Sport Modell“ pflegt.
Auf Grund des besonderen Bildungszieles des Schulversuches und der dadurch notwendigen Einbeziehung der Sportverbände in die Entscheidung schulorganisatorischer Maßnahmen ist auf eine entsprechende Kompetenzverteilung zwischen der Schule und den Sportverbänden zu achten. So nehmen die Sportverbände verbindlich die Aufgabe der österreichischen Schule nach dem Schulorganisationsgesetz § 2 zur Kenntnis und erklären, dass sie und ihre Beauftragten (Trainer) keine Ziele verfolgen, die diesen Grundsätzen widersprechen. Weiters sagen die Sportverbände und ihre Beauftragten zu, dass sie den Schulaufsichtsbeamten jederzeit und uneingeschränkt Einblick in ihre Trainingsarbeit mit den Schülerinnen und Schülern des Schulversuches gewähren.
Diese optimierte Zusammenarbeit zwischen den Partnern Schule und Sport ist Voraussetzung für das Funktionieren unseres Modells und muss letztendlich auch ihren Niederschlag in einem eventuell notwendigen Ausschlussverfahren aus dem Modell finden.
Das hier im Folgenden formulierte Ausschlussprozedere geht von der Annahme dieser engen Kooperation zwischen Schule und außerschulischen Sporteinrichtungen aus, die hier noch einmal näher definiert wird.

Für die Planung, Steuerung und Durchführung eines individuell abgestimmten sportartübergreifenden Trainings zeichnet ein qualifizierter sportlicher Leiter des Trägervereins „Burgenländisches Schule & Sport Modell“ (bssm) in Abstimmung mit der/dem jeweiligen Spartentrainerin/Spartentrainer verantwortlich.

Ein von der Direktion der Schule gestellter Ausbildungskoordinator ist in Zusammenarbeit mit Schulleitung und Kolleginnen und Kollegen einerseits und der bssm-Leitung andererseits zuständig für die Abstimmung bzw. Integration der sportlichen Belastung in den Rahmen der schulischen Anforderungen sowie die Beobachtung und pädagogisch vertretbare Dosierung der daraus erwachsenden Gesamtbelastung der jugendlichen Leistungssportlerinnen und Leistungssportler.

Die sich daraus ergebende enge Verquickung zwischen schulischer und sportlicher Ausbildung setzt für den Besuch des BORG für Leistungssportlerinnen und Leistungssportler Oberschützen die Mitgliedschaft im Trägerverein „Burgenländisches Schul & Sport Modell“ (bssm) voraus.
Umgekehrt ist bei Ausscheiden aus dem Modell ein Weiterverbleib im BORG für Leistungssportlerinnen und Leistungssportler nicht möglich.

Nach erfolgter Verwarnung und Ausschlussandrohung durch die Ausschlusskommission entscheidet nach einem weiteren schwer wiegenden Verstoß gegen die Grundsätze und Richtlinien des bssm (dazu zählen auch fehlende leistungssportliche Qualifikation und/oder abhanden gekommene Ambition) über den Verbleib im Modell die genannte Kommission, welche sich derzeit wie folgt zusammensetzt:

  • Direktor der Schule
  • Elternvertreter
  • Schülervertreter
  • Vertreter der Sparte
  • Ausbildungskoordinator
  • Sportkoordinator
  • Obmann